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Käfer sind ungerade

Besprechung von Cand. Dipl.-Psych. J. Kuschny, Konstanz, 2006

Lebenssituationen, geprägt von Einsamkeit obwohl um einen herum das Leben tobt. Wer kennt sie nicht, die Momente, in denen einen die Gedanken oder Erinnerungen an vergangene Zeiten, geliebte Menschen oder gar den Tod in eine andere Welt zu entführen versuchen?

"Käfer sind ungerade" von Gyde Callesen beschäftigt sich in mehreren Kurzgeschichten mit Momenten, in denen wir abzudriften scheinen in der Frage, woher und wohin. Mit Menschen, die ihren Standpunkt in einer Welt suchen, die sie nur schwer begreifen können. Hin und hergeworfen von all dem, was Leben heißt, nämlich Liebe, Verzweiflung, Schicksal, Entwicklung, Sterben und Tod.

Da ist ein einsamer Hotelgast, der tagelang die Decke seines Zimmers anstarrt, eine Frau vergessen will, von einer anderen seltsam surrealen Frau Besuch bekommt, der er blindlings in die nächtliche Stadt folgt um schließlich mit der Vergangenheit, die ihn mit der realen Frau verbindet, abzuschließen.
Ein kleiner Junge, der durch den Anblick einer überfahrenden Katze, ein tiefst beeindrucktes, ja fast traumatisiertes Verhalten an den Tag legt, und durch dieses Erlebnis bedingt, sogar das Wort "Katze" aus seinem Wortschatz streicht, bis er mit Hilfe von den Kaninchen seiner Schwester durch deren lebhaftes und intaktes Erscheinen aus eigener Kraft dieses Trauma zu überwinden scheint.
Ein junger Scherben sammelnder Franzose, will eine blaue Scherbe finden - DIE blaue Scherbe in seinem Leben, das geprägt ist von braunen, weißen und grünen Scherben- eben dem totalen Alltagstrott.
Das Buch entführt uns in die bizarre Gedankenwelt unserer Mitmenschen. Dabei fällt dem Leser aber auf, dass dies genau die Welt ist, in der auch er lebt...

Die Autorin verwendet für die Erzählungen ihrer Kurzgeschichten den Blick, den sie auch als Fotografin nutzt, die Welt und ihre Umwelt zu betrachten und Szenen aus dem Gesamten herauszuschneiden. Sie fokussiert dabei ihre gesamte Aufmerksamkeit auf den Augenblick.
"Fotos leben von dem Ungesagten und Ungezeigten", sagt sie in einem Interview. Genau das spiegelt sich wieder in "Käfer sind ungerade"

Callesen, Gyde (2006). Käfer sind ungerade. Schweinfurt: Wiesenburg.

 


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