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Maya mein Mädchen

Besprechung von Cand. Dipl.-Psych. Vera Gailing, Konstanz, 2006

"Bevor ich gehe, sehe ich in den Spiegel. Kann ich mich sehen? Nein, ich sehe mich nicht, der Spiegel ist zersplittert. Die Splitter sind unwiderruflich voneinander getrennt, nichts wird sie mehr zu einem Spiegel machen. Ich werde die Splitter anschauen müssen." (S.107)
Gyde Callesen erzählt von der jungen Frau Maya, die als 8-jähriges Mädchen von ihrem Großvater mehrfach missbraucht wurde. Bis zu dieser Erkenntnis ist es für Maya aber ein langer Weg, auf dem sie immer wieder und auf verschiedenen Ebenen zu scheitern droht, kämpft zwischen dem Leben und dem Tod.
Wenn Maya versucht, sich an den Zeitraum der traumatischen Erfahrungen zu erinnern, steht sie vor einem "unvollständigen Puzzle" (S. 150) und aufgrund dieser Gedächtnislücken muss Maya erleben, wie bestimmte Reize, z.B. große Hände und Lederhandschuhe sie immer wieder hilflos Gefühlen, wie Panik, Ohnmacht und körperlichen Reaktionen wie Starre und Schwindel preisgeben, sie diese aber nicht zuordnen und so die sich in ihr ausbreitende Leere nicht begreifen kann. Deshalb greift sie zum Ritzen als Maßnahme dafür, zu spüren, dass sie noch am Leben ist.
Oftmals benutzt die Autorin eine sehr poetische Sprache, sie spielt mit den Worten und lässt die Kraft der gewählten Worte auf den Leser wirken.
Das Thema sexueller Missbrauch in der Kindheit und seine lebenslangen Folgen wird von Gyde Callensen vorbehaltlos erzählt und sie schont ihre Leser nicht, in die Gefühlswelt der Protagonistin einzusteigen.

Es fiel mit schwer, die geschilderten Maßnahmen des Psychiaters und des Personals in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie, zu glauben, so krass und am Problem vorbei erschienen mir die Methoden. Doch damit hat die Autorin es geschafft, mich aufzurütteln und für dieses Thema sensibel zu machen.

Besonders gelungen finde ich die Gespräche mit Herrn Z., eine Figur, die Maya erschafft, um sich davor zu schützen, den Konflikt zwischen sich selbst annehmen oder verachten und zwischen Selbstanspruch und Versagensangst nicht in ihren Inneren austragen zu müssen.

Gyde Callesens Roman ist nicht nur äußerst spannend geschrieben, die Autorin schafft es auch, den Leser die Zerrissenheit und innere Übelkeit fühlen, ja sogar körperlich spüren zu lassen, so dass es beinahe unerträglich erscheint, das innere Elend mitzuerleben und man doch nicht aufhören kann, weiterzulesen.

Callesen, Gyde (2003). Maya mein Mädchen. Schweinfurt: Wiesenburg.

 


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