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Besprechung von Dipl.-Psych. Stefanie Rösch, Konstanz, 2007
Roland Kachler, Psychotherapeut und hinterbliebener Vater, hat ein
Buch geschrieben, dass meine Erfahrung als Trauma-Therapeutin wiederspiegelt.
Die große Angst Hinterbliebener, so oft erzählt und gehört,
ist, den Verstorbenen loslassen zu müssen und damit zu verbinden,
dass "loslassen" "vergessen" oder "ignorieren"
bedeuten könnte.
Herr Kachler vertritt in seinem Buch den Ansatz, dass es im Gegensatz
zum Loslassen um das Verändern der Beziehung zum Verstorbenen geht.
Schmerz und Trauer dienen als Ausdruck der Liebe und Beziehung zum Verstorbenen,
die über den Tod hinaus weiterbestehen. Der Leib und die gegenseitige
Kommunikation fehlen und dennoch zeigt er einige Wege auf, die Beziehung
zu verändern, zu gestalten und zu festigen.
Ein zentrales Unterfangen seines Ansatzes der Trauerarbeit ist das Finden
eines Ortes, an dem der Verstorbene sicher aufgehoben ist und zu dem
jeder Zeit Kontakt zum Hinterbliebenen aufgenommen werden kann. Dafür
schlägt er unterschiedliche Übungen, vor allem Vorstellungsübungen
(Imaginationen) vor, die den Trauerprozess, wie er von jedem Hinterbliebenen
intuitiv durchlaufen wird, unterstützen.
Er weist immer wieder darauf hin, wie schwierig die Kommunikation zwischen
Hinterbliebenen und dem Umfeld ist, welches das Bedürfnis nach
einem Fortdauern der Beziehung zum geliebten Menschen kaum oder gar
nicht nachvollziehen kann.
Insofern ist dieses Buch ein hilfreicher Begleiter für Hinterbliebene,
weil es von tiefem Verständnis zeugt und immer wieder Mut macht,
dem eigenen Gefühl für den Trauerprozess zu folgen und sich
nicht so sehr von den Meinungen anderer abhängig zu machen.
Ebenso hilfreich fand ich das Buch für mich als Therapeutin, weil
es Herrn Kachler gelingt, einige Themen des Trauerprozesses in großer
Klarheit darzustellen und weil es in der Trauerbegleitung, auch in der
Traumaarbeit, auf die er sich zwischendurch bezieht, Anregungen für
Übungen oder Gespräche mit den Klienten liefert. Ich benutze
es auch als Gesprächsgrundlage, um mit Klienten gemeinsam nach
der Lektüre die Übungen zu finden, die für sie gerade
hilfreich sind.
Das Buch ist im Wesentlichen in zwei Bereiche geteilt. Die ersten drei
Kapitel beschäftigen sich eher theoretisch mit dem Ansatz "verändern
anstatt loslassen". Die folgenden Kapitel beschreiben in loser,
in sich stimmiger Reihenfolge verschiedene Phasen oder Themen, die in
der Trauerarbeit immer wieder vorkommen. Diese Abschnitte sind teilweise
mit Übungsvorschlägen ergänzt.
Herr Kachler bleibt auch bei spirituellen Themen im Rahmen der großen
wissenschaftlichen und religiösen Ansätze, was für manchen
Trauernden aus meiner Erfahrung zu kurz gegriffen sein kann. Vor allem,
wenn die Näheerfahrungen zwischen Hinterbliebenen und Verstorbenen
eine Intensität besitzen, die an reale Kommunikation grenzen. Es
gibt immer mehr Menschen, die den Verstorbenen in ihrer Nähe spüren
und daraus schließen, dass er oder sie noch anwesend ist. Auch
das ist eine legitime Schlussfolgerung, die in diesem schönen Buch
leider fehlt.
Kachler, Roland (2005). Meine Trauer wird Dich finden. Ein neuer
Ansatz in der Trauerarbeit. Stuttgart: Kreuz Verlag
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