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Wieder Leben Lernen - Ergotherapie bei traumatisierten Flüchtlingen

Zusammenfassung von Susann Neumann, Achen, 2004

Bürgerkriege, Verfolgung und Folter zwingen Menschen aus allen Teilen der Welt zur Flucht aus ihrem Heimatland. Folgen von menschlich organisierter Gewalt sind höchst komplex und langwierig und durchdringen alle Lebens- und Handlungsbereiche der Betroffenen. Nicht nur durch ständig wiederkehrende traumatische Erinnerungen und soziale Rückzugstendenzen, sondern auch durch eine restriktive Umwelt im Exilland mit wenig Handlungsspielraum erfahren traumatisierte Flüchtlinge Einschränkungen bei der Wahl und Ausführung von für sie sinn- und würdevollen Betätigungen.

Was kann die Ergotherapie mit ihrem speziellen Wissen und Können über das menschliche Handeln bei dieser Zielgruppe beitragen? In Deutschland ist Ergotherapie bei traumatisierten Flüchtlingen ein noch nicht etabliertes Arbeitsfeld. Aus dem Grund wurden die Daten bei dieser qualitativen Forschungsarbeit neben eingehender Literaturrecherche und Expertenbefragung auch aus praktischer Arbeit mit der Klientel innerhalb eines Pilotprojektes gesammelt.

Zum optimalen Verständnis des Forschungsprozesses werden zu Beginn der Studie das Forschungsdesign sowie die Kernelemente und gewählte Ansätze der Ergotherapie vorgestellt. Als konzeptionellen Hintergrund unserer Arbeit diente das kanadische Modell der Betätigungsperformanz (CMOP), in welchem das Ermöglichen von sinnvoller Betätigung (Enabling Occupation) die zentrale Rolle spielt. Dadurch sollen Lebensqualität, gesundheitsfördernde Prozesse (Salutogenese) und Betätigungsgerechtigkeit (Occupational Justice) erreicht werden.

Im Hauptteil der Arbeit erfolgt eine umfassende Darstellung der Alltagssituation traumatisierter Flüchtlinge aus ergotherapeutischer Sicht. Durch die aus Literaturrecherche und Fragebogenaktion gewonnenen Daten wird ersichtlich, dass sowohl durch Traumatisierung bedingte Faktoren wie z.B. Ängste, Rückzugstendenz und Isolation, als auch Faktoren der physischen, kulturellen, sozialen und institutionellen Umwelt häufig zu Einschränkungen der Handlungsfähigkeit dieser Menschen führen. Andererseits werden unterstützende Faktoren wie auch persönliche Stärken und Ressourcen der Umwelt, sowie Aspekte der Spiritualität beschrieben.
Aus diesen Daten werden relevante Aspekte der Therapie abgeleitet, die zugleich praktisch in das Pilotprojekt einflossen. Anhand der Beschreibung eines Fallbeispiels wird ein mögliches ergotherapeutisches Vorgehen mit einem ganzheitlichen, handlungs- und gegenwartsbezogenen und ressourcenorientierten Ansatz nachvollziehbar.
Die Ergebnisse des Fallbeispielprojekts stimmen weitestgehend mit den aus Literatur und Expertenbefragung gewonnenen Daten überein. Aus diesen Ergebnissen werden Schlussfolgerungen abgeleitet, die als Anregungen für weitere ergotherapeutische Interventionen in diesem Bereich hilfreich sein können, u.a. die Bedeutung einer tragfähigen, partnerschaftlichen und aktivierenden therapeutischen Beziehung und der gezielte Einsatz von für den Klienten bedeutungsvollen Aktivitäten.

Nach der Diskussion über Gültigkeit und Grenzen der Studie findet der Leser im Ausblick weitere Vorschläge zu Praxis und Forschung sowie eine abschließende kritische Stellungnahme zum Thema.

Diese Arbeit soll u.a. einen Anreiz bieten, über neue, nicht traditionelle ergotherapeutische Arbeitsfelder in einem breiteren gesellschaftlichen Kontext nachzudenken, sie zu erschließen sowie zukunftsorientiert und auch grenzüberschreitend (im kulturellen sowie mentalen Sinne) zu handeln und so die Entwicklung des Berufsbildes voranzutreiben.

Susann Neumann, Anja Gläser und Susanne Heybach (2004). Wieder Leben Lernen - Ergotherapie bei traumatisierten Flüchtlingen. Buch in Vorbereitung: Voraussichtliches Erscheinen 2006

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Frau Heybach.

 


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