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Besprechung von Cand. Dipl.-Psych. Vera Gailing, Konstanz, 2006
"Polizei-ein Beruf so spannend wie das Leben" steht auf ihren
Autos. Bei den meisten Fernsehsendern gehören Krimiserien zum Pflichtprogramm.
Aber was es wirklich heißt, sich den Anforderungen des Polizeialltags
mit all seinen Herausforderungen zu stellen, könnte nicht besser,
realistischer und fesselnder dargestellt sein als in diesem Buch.
Polizisten erzählen auf bewegende Weise von dem, was sie erlebt
haben, wie sie es erlebt haben und warum diese Erinnerungen immer wieder
kommen und sie gelernt haben, damit zu leben.
Ab und zu erfährt man oder hört von Polizisten, die scheinbar
unberührt in ihrem Alltag die schrecklichsten Dinge sehen, riechen,
fühlen, hören und ertragen müssen. Sie behaupten, das
mache ihnen nichts aus, ja sie schreiben ihren Kollegen sogar vor: "So
was darf dir aber nichts ausmachen!". Natürlich wünschen
wir Bürger uns professionelle, also handlungsfähige Helfer.
Aber bitte nicht zugunsten von Gleichgültigkeit und emotionaler
Leere.
Volker Uhl zeigt mir als Bürgerin mit seiner Idee, Polizisten eine
Möglichkeit zu geben, das zu veröffentlichen, was sie in ihrem
Dienst erlebt haben, folgendes:
Es gibt durchaus solche Beamten, die sich der Verantwortung, ihrem Gegenüber
Menschlichkeit und Mitgefühl entgegenzubringen, nicht entziehen,
weil sie keine Angst davor haben, ihre Betroffenheit zuzugeben und ihre
belastenden Erfahrungen zu verarbeiten, indem sie diese ausdrücken.
Das tröstet und tut gut. Damit helfen die Polizeipoeten nicht nur
sich, sondern auch anderen.
"Die erste Leiche vergisst man nicht" enthält viele auf
ganz verschiedene Art berührende und mitreißende Kurzgeschichten,
die traurig und glücklich zugleich machen.
Nicht nur solche gewaltigen Themen wie das Leben mit der Schuld am Tod
anderer, das Überbringen von Todesnachrichten und Vergewaltigungen
sondern auch die kleinen Dinge des Lebens finden ihren Platz, wie zum
Beispiel ein paar liebe Worte in der emotionalen Kälte, eine Geste
des Respekts gegenüber einem Obdachlosen und das einfache Teilen
des Moments der stillen Trauer und so wird deren Wichtigkeit verdeutlicht.
Obwohl alle Geschichten von nahezu gleichbleibend hoher Spannung und
sehr mitreißend geschrieben sind, gleicht keine der anderen und
es gibt ein paar Geschichten, die mich besonders bewegt haben. Ich werde
diese hier nicht anführen, denn ich denke, jeder Leser wird seine
eigene Lieblingsgeschichte finden, die ihm vielleicht besonders bedeutsam
oder berührend erscheint.
Deshalb würde ich den Slogan umändern in "Polizei -ein
Beruf so spannend wie das Leben und die Menschen" - denn um diese
geht es schließlich. Um einen Beruf, ausgeübt von Menschen
für Menschen. Und was kann es Wichtigeres geben...
Uhl, Volker (2005). Die erste Leiche vergisst man nicht. Piper:
München.
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