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Auf dieser Seite finden Sie
zu folgenden Fragen Informationen:
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Trauma und
dem Gebrauch von Drogen?
Welche
Probleme kann es speziell für traumatisierte Menschen im Zusammenhang
mit Alkohol- oder Drogenmissbrauch geben?
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Trauma
und dem Gebrauch von Drogen?
Viele Betroffene von schweren Traumata entwickeln neben den Beschwerden,
die sich aus ihrem Trauma ergeben, auch eine Abhängigkeit von sog.
psychoaktiven Substanzen (Glossar).
Das sind Stoffe, die dem Körper von außen zugeführt
werden und die Verarbeitungsprozesse im Nervensystem und im Gehirn beeinflussen.
Die häufigsten Stoffe sind Nikotin (Rauchen), Alkohol, Marihuana,
Stimulanzien wie Kokain oder Amphetamine ("Speed", "Ecstasy"
u.a.), Opiate wie Heroin oder auch bestimmte Medikamente.
In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass ein sehr enger Zusammenhang
zwischen einer Alkohol- oder Drogenabhängigkeit und einem erlittenen
Trauma besteht (McFarlane &
Yehuda, 1996).
Besonders Alkohol ist vermutlich die älteste Form der Selbstmedikation
für die Behandlung von Stress und kann kurzfristig sehr effektiv
gegen Schlafprobleme, Alpträume und andere Symptome von PTBS (Glossar)
wirken (van der Kolk, 1996).
Alkohol kann Alpträume unterdrücken, dämpft das zu hohe
Erregungsniveau des autonomen Nervensystems (Glossar)
und fördert nicht-traumatische Phantasien.
Da der stärkste Leidensdruck eines Menschen mit traumatischen Erfahrungen
darin besteht, dass er immer wieder unwillentlich mit seinen schlimmen
Erinnerungen konfrontiert wird und eine damit verbundene Übererregung
als sehr unangenehm empfunden wird, ist es durchaus verständlich,
dass als Ausweg die Beruhigung durch Alkohol gewählt wird.
Auch die entspannende Wirkung von Nikotin wird von vielen Betroffenen
gezielt gegen ihre Übererregung eingesetzt.
Khantzian (1985) hat zur Erklärung dafür, dass Trauma-Betroffene
zu unterschiedlichen Drogen greifen, eine Theorie der Selbstmedikation
entwickelt. Danach werden die verschiedenen Drogen aufgrund ihres spezifischen
psychoaktiven Effektes ausgewählt. So hat Heroin zum Beispiel eine
dämpfende Wirkung auf Zorn und Aggression, während Kokain
eine antidepressive Wirkung hat (zitiert in van
der Kolk, 1996).
Nathan und Fischer (2002) haben unterschiedliche Verlaufsmuster des
Umgangs mit traumatischen Erfahrungen herausgearbeitet. Beim "Sucht-Verlaufstyp"
dient die Einnahme von Drogen dem Schutz vor ungewollten Erinnerungen
und stellt gleichzeitig eine Möglichkeit dar, mit der Umwelt Kontakt
aufzunehmen, ohne jedoch große oder beängstigende Nähe
entstehen zu lassen. Die Suchtmittel werden also gebraucht, um die Kontrolle
über die eigenen Wahrnehmungen wie auch über die eigenen Handlungen
wieder zu erlangen.
Bei traumatischen Erfahrungen in der Kindheit ist auch der leistungskompensatorische
Verlaufs-Typ ("workaholic" oder "Arbeitssüchtiger")
zu beobachten. Hier wird versucht, dem Trauma durch übermäßiges
Arbeiten zu begegnen. Diese Kompensationsform (Glossar)
ist sozial anerkannt und kann häufig über Jahrzehnte hinweg
aufrechterhalten werden (zitiert in Fischer
& Riedesser, 2003).
Welche Probleme kann es speziell für
traumatisierte Menschen im Zusammenhang mit Alkohol- und Drogenmissbrauch
geben?
Bei aller positiven Wirkung von psychoaktiven Substanzen auf die Beschwerden
darf nicht übersehen werden, welche zusätzlichen Probleme
sich mit dieser "Lösung" ergeben. Die Folgen für
die Gesundheit von Abhängigen sind dramatisch. Beziehungen, die
ohnehin durch das traumatische Ereignis und die nachfolgenden Beschwerden
einer Belastungsprobe ausgesetzt sind, werden durch die Sucht noch schwieriger
oder brechen völlig weg. Ein sozialer Abstieg ist bei Alkohol-
und Drogenabhängigkeit zumindest langfristig nicht auszuschließen.
Näheres zu den gesundheitlichen und sozialen Folgen von Alkohol-
und Drogenabhängigkeit findet sich auf den Internet-Seiten www.dhs.de/substanzen.htm
oder www.netdoctor.de/ratschlaege/fakten/alkohol.htm.
Die durch den Genuss von Alkohol oder Drogen erreichte Betäubung
der negativen Empfindungen ist darüber hinaus der Trauma-Verarbeitung
nicht förderlich. Das Kernelement der Trauma-Therapie, nämlich
die Exposition (Glossar),
kann nicht unter einer solchen gleichzeitigen Betäubung stattfinden.
Ein Traumatherapeut wird deshalb Verständnis zeigen für die
Betroffenen, jedoch eine Alkoholismus- und Drogenbehandlung in den Behandlungsplan
mit einbeziehen (Fischer &
Riedesser, 2003). Ist der Betroffene nicht bereit, sich einem
Entzug zu unterwerfen, bleibt die Behandlung der Traumafolgen unvollständig
bzw. ohne Erfolg.
Andererseits ist zu erwarten, dass die posttraumatischen Probleme, die
durch den Konsum von Drogen und Alkohol gedämpft wurden, im Entzug
mit neuer Heftigkeit aufbrechen. Deshalb sollte während eines Entzugs
auch umgekehrt sehr genau auf entsprechende Hinweise geachtet werden
(van der Kolk, 1996).
Literatur:
Fischer G., Riedesser P. (2003). Lehrbuch der Psychotraumatologie.
München: Ernst Reinhardt Verlag
McFarlane A. C., Yehuda R. (1996). Resilience, Vulnerability and the
Course of Posttraumatic Reactions. In Van der Kolk B., McFarlane A.,
Weisaeth L. (Ed.), Traumatic Stress: the effects of overwhelming
experience on mind, body, and society (pp.155-181). New York: Guilford
Press.
Van der Kolk B.A. (1996). The Complexity of Adaptation to Trauma: Self-Regulation,
Stimulus Discrimination, and Characterological Development. In Van der
Kolk B., McFarlane A., Weisaeth L. (Ed.), Traumatic Stress: the effects
of overwhelming experience on mind, body, and society (pp.182-213).
New York: Guilford Press.
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