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| Therapie: Narrative Expositionstherapie (NET) |
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dieser Seite finden Sie zu folgenden Fragen Informationen:
Woher
kommt die Narrative Expositionstherapie (NET) und für wen ist sie
geeignet? Woher kommt die Narrative Expositionstherapie (NET) und für wen ist sie geeignet? Die Narrative Expositionstherapie (NET) wurde von Dr. Maggie Schauer, Prof. Dr. Frank Neuner und Prof. Dr. Thomas Elbert an der Universität Konstanz entwickelt. Ursprünglich dient sie der Behandlung von Opfern organisierter Gewalt (auch Folter) und zur Behandlung von Kriegsflüchtlingen. Ihre Wirksamkeit für die Behandlung von Menschen mit Kriegserfahrungen wurde in vielen Studien (Handbuch) nachgewiesen. Sie kann aber auch bei anderen Traumata angewendet werden. Für die Opfer von Gewalt in der sehr frühen Kindheit ist sie weniger geeignet, da sehr kleine Kinder noch keine bewusst erinnerbaren Gedächtnisstrukturen aufbauen und Erfahrungen aus dieser Zeit allenfalls bruchstückhaft wiedergegeben werden können.Die NET ist eine Kombination aus zwei verschiedenen Therapieverfahren, die sich beide als wirksam zur Behandlung von Traumafolgen erwiesen haben. Aus der Testimony Therapy kommt die Idee, dass eine detaillierte Dokumentation der vollständigen Lebensgeschichte vorgenommen wird. Aus der Verhaltenstherapie (Glossar) wird übernommen, dass die Betroffenen sich den für sie belastenden Erinnerungen aussetzen (Exposition (Glossar)) und zwar so lange, bis diese für sie selbst erträglich geworden sind. Dabei geht man im Gegensatz zur klassischen Verhaltenstherapie weniger davon aus, dass eine Gewöhnung (Habituation (Glossar)) stattfindet, sondern als Grundlage zur Erklärung werden neuere Theorien zur Gedächtnisbildung herangezogen. Auf welche Theorie über die Funktionsweise des Gedächtnisses stützt sich die Vorgehensweise der NET? Der Mensch speichert seine
Erlebnisse in zwei verschiedenen Gedächtnissystemen. Das assoziative
Gedächtnis (Glossar)
registriert Sinneswahrnehmungen, Gedanken und Gefühle und verknüpft
sie zu einer Netzwerkstruktur. Zeit und Ort der Erlebnisse werden dagegen
an einer anderen Stelle, im autobiografischen Gedächtnis (Glossar),
gespeichert. Dort wird eine Chronologie, ein zeitlicher Ablauf der Ereignisse,
festgehalten. In der Regel arbeiten diese beiden Gedächtnissysteme
eng zusammen. Wenn sich jemand an ein bestimmtes Ereignis, zum Beispiel
an den ersten Schultag, erinnert, tauchen automatisch die dazugehörigen
Gefühle und Gedanken mit auf.
Ziel ist es, die Gefühle des Betroffenen in der Vergangenheit
zu verankern- dort, wo sie hingehören. Dazu muss das autobiografische
Gedächtnis systematisch wieder aufgebaut werden. Der Aufbau von
autobiografischem Gedächtnis funktioniert, indem man aus den sinnlichen
Eindrücken eine sinnvolle Geschichte konstruiert. Dadurch werden
der Kontext und der Ablauf des Geschehens wieder mit dem assoziativen
Gedächtnis verbunden. Die NET wurde konzipiert als Kurzzeit-Therapie und kann auch von besonders
geschulten Laien angewendet werden. Dadurch ist es möglich die
Therapieform auch unter erschwerten Bedingungen anzuwenden, z. B. in
Flüchtlingslagern oder nach einer Naturkatastrophe, wenn besonders
viele traumatisierte Menschen Behandlung benötigen. Die NET hat
ebenso wie die Testimony Therapy einen politischen
Bezug. Krieg, Folter und andere Menschenrechtsverletzungen werden offen
als solche benannt. Das dient nicht zuletzt der Wiederherstellung der
Würde des Überlebenden. Die NET erhebt nicht den Anspruch, für eine vollständige Heilung der Betroffenen sorgen zu können. Das ist ein Prozess, der lebenslang stattfindet und auch nicht immer vollständig erfolgen kann. Sie kann aber dazu dienen, die Menschen von den Folgen ihres Traumas zu befreien, die sie am stärksten belasten. Insofern kann eine erfolgreiche NET Startpunkt zu einer individuellen und kollektiven Heilung sein.
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