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In der Geschichte Israels gibt es drei größere Kriege: An
allen drei Kriegen war Ägypten beteiligt. Nach dem ersten (1956
- 1957) unterstützte Syrien im zweiten (Sechs-Tage-Krieg (1967))
und im dritten (Yom Kippur-Krieg (1973 - 1974)) Konflikt Ägypten.
Im Yom Kippur-Krieg wurde Israel auch vom Iraq angegriffen (www.britannica.com).
Auf dieser Seite finden sie zu folgenden Fragen Informationen:
Wie entsteht eine Gefechts-Stress-Reaktion
(Ätiologiemodell)?
Wie häufig ist eine Posttraumatische Belastungsstörung
(Epidemiologie)?
Welche Rolle spielt die soziale Unterstützung?
Welche Folgen entstehen durch
Traumata aus den israelischen Kriegen für die betroffene Person?
Wie entsteht eine Gefechts-Stress-Reaktion
(GSR) (Glossar)
(Ätiologiemodell (Glossar))?
Solomon (1993, S. 27
- 38) vermutet, dass Todesangst bei den meisten Soldaten,
die eine Gefechts-Stress-Reaktion haben, zugrunde liegt. Die Angst des
Soldaten (oder, genauer, wie Grinker (1945)
vorschlägt, seine Unfähigkeit zur Bewältigung dieser Emotion) verursacht
seinen Zusammenbruch. Dies bringt den Soldaten aus der Gefahrenzone.
Einmal aus der Gefahr zu sein, führt dazu, dass die Soldaten kaum dem
Gedanken entfliehen können, dass sie sich selbst eher ängstlich als
mutig sehen. Dies ist eine schädigende, Schuld hervorrufende Folgerung.
Das Endresultat solch unwillkommenen Wissens über sich selbst scheint
ein radikaler Verlust an Selbstwert und dauernde Depression zu sein.
Dies sind die Symptome, die am häufigsten in der letzten Untersuchung
der Behandlungsstation diagnostiziert werden.
Häufigkeit der posttraumaischen
Belastungsstörung (Epidemiologie (Glossar))
Solomon und Kollegen kamen 1994
auf folgende Häufigkeiten bei der PTBS (Glossar):
| Untersuchte Gruppe |
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|
| Israelische Kriegsgefangene |
13 %
|
23 %
|
| Veteranen, die wegen einer GSR behandelt wurden |
13 %
|
37 %
|
| Veteranen ohne GSR |
3 %
|
14 %
|
Entgegen den Erwartungen
(siehe Krieg), findet sich hier
eine kleinere Lebenszeit-Prävalenzrate bei den Kriegsgefangenen. Dies
könnte darauf hindeuten, dass dies eine Folge von kürzeren Gefangenschaften
in kürzeren Konflikten mit relativer Abwesenheit einer chronischen unentrinnbaren
Entbehrung im Yom Kippur-Krieg 1973 ist.
Soziale
Unterstützung
Eine Reihe von israelischen
Studien mit Soldaten, die im Libanon-Krieg eine GSR (Glossar)
entwickelt hatten (Solomon,
Mikulincer, & Avitzur, 1988 und Solomon
& Mikulincer, 1990), haben gezeigt, dass soziale Unterstützung
die Wahrscheinlichkeit für eine PTBS (Glossar)
verringert. In einer der Studien (Solomon,
Waysman, & Mikulincer, 1990) wurde als Einziges, was diese
Wahrscheinlichkeit beeinflusst, Einsamkeit gefunden. Wahrgenommene soziale
Unterstützung war auch relevant, wurde aber als Eigenschaft von wahrgenommener
Einsamkeit erachtet.
Traumafolgen
Obwohl die GSR (Glossar)
sehr auffällig ist, weiss man sehr wenig über ihre Nacheffekte. Ist
der Schaden, der durch extremen Gefechts-Stress angerichtet wird, eine
kurzlebige, vorübergehende Reaktion auf "verrückte" Umstände oder ist
er eine langfristige, beständige, schwächende Störung (Solomon,
1993, S. 51 - 72) ? Laut Figley (1978)
werden diese Ansichten "Stress-Verflüchtigungs-Hypothese" und "Rest-Stress-Hypothese"
genannt. Die Frage, welche Hypothese richtig ist, blieb bisher unbeantwortet.
Man kann diese Frage so nicht beantworten, da sie die enormen Unterschiede
zwischen einzelnen Menschen nicht berücksichtigt. Beide Hypothesen haben
bisher wissenschaftliche Unterstützung erfahren (Solomon,
1993, S. 51 - 72).
Um in dieser Frage weiter für Aufklärung zu sorgen, führte Solomon (1993,
S. 51 - 72) eine Studie durch, in der die emotionalen und
psychologischen Folgen des Libanon-Kriegs ein, zwei und drei Jahre später
untersucht wurden. Die am meisten übereinstimmende und auffälligste
Langzeit-Folge von Gefechts-Stress ist die PTBS (Glossar).
Die PTBS-Raten sahen folgendermaßen aus:
Abbildung
1: Relativer Anteil der Soldaten mit PTBS-Diagnose bzgl. Untersuchungsgruppe
und Untersuchungszeitpunkt
In Anbetracht dessen, dass
fast alle Soldaten mit GSR intensive Behandlung erfuhren, erstaunen
die hohen PTBS-Raten. Obwohl die Nicht-GSR-Gruppe keinen sichtbaren
Zusammenbruch erlitt und nie in Behandlung war, sind auch hier verhältnismäßig
hohe Raten zu finden. Neben diesem zahlenmäßigen Unterschied
sieht es so aus, dass auch die posttraumatischen Belastungsstörungen
der Kontrollgruppe weniger schwer und weniger belastend sind.
Für die Dauer der PTBS ergibt sich folgendes Bild:
Abbildung
2: Verteilung der untersuchten Personen bzgl. der Jahre, in denen PTBS
diagnostiziert wurde
Insgesamt hatten drei Viertel
der Soldaten in der GSR-Gruppe mindestens einmal eine PTBS während der
gesamten 3 Jahre. Bei der Kontrollgruppe war es nur knapp ein Drittel.
Genauso wie die PTBS-Raten innerhalb der 3 Jahre abnahmen, verringerte
sich auch die Anzahl der Symptome. Die Anzahl der Symptome zeigt grob
die Belastung an. D.h., in der GSR-Gruppe war die PTBS nicht nur häufiger,
sondern auch belastender über die ganzen 3 Jahre.
Es zeigte sich, dass GSR-Veteranen an mehr psychiatrischen Symptomen
litten als die Kontrollpersonen (Derogatis,
1977), im besonderen an Zwangssymptomen (Glossar),
Angst, Depression und Feindseligkeit.
Im Gegensatz zur Verbesserung der Belastungen, die direkt mit dem Krieg
zusammenhängen, gab es keine Erleichterung bzgl. der generellen psychiatrischen
Belastung. In anderen Worten bedeutet dies, dass in vielen Lebensbereichen
der Veteranen, die nicht vom PTBS-Inventar berührt werden, der Krieg
weiterhin einen negativen Einfluss hat.
Zusammenfassung:
Für einen nicht unerheblichen Anteil der Personen mit GSR war das Trauma
(Glossar)
des Krieges eine vorübergehende Krise. Für fast den gleichen Teil war
das Trauma nach 3 Jahren immer noch unverändert. Eine ähnliche Verteilung
wird auch bei den PTBS-Personen ohne vorausgehende GSR gefunden.
Gefechtsbeteiligung führt zu langdauernden, psychologischen Folgen,
die besonders beständig und belastend für Soldaten sind, die eine GSR
hatten.
Solomon und Mikulincer (1987)
zeigten, dass nur das Auftreten einer GSR dazu führt, dass die betroffenen
Soldaten Probleme im sozialen Umgang haben.
Über drei Jahre betrachtet ergibt sich beim Vergleich von PTBS- mit
Nicht PTBS- Veteranen folgendes Bild:
1. PTBS-Veteranen haben im sozialen Umgang mehr Probleme als Nicht-PTBS-Veteranen.
2. In beiden Gruppen gilt: Je mehr PTBS-Symptome, desto schlechter ist
der soziale Umgang.
3. Der schlechteste "soziale Umgang" wurde bei PTBS-Veteranen mit vorausgegangener
GSR festgestellt.
Beim Vergleich zwischen GSR- und Nicht-GSR-Gruppe zeigte sich, dass
dieser "soziale Umgang" sich in der GSR-Gruppe über die drei Jahre nicht
veränderte. In der Nicht GSR-Gruppe gab es zunächst eine Verschlechterung
zwischen dem ersten und dem zweiten Jahr und dann eine Verbesserung
zwischen dem zweiten und dritten Jahr (Solomon
et al., 1989, S. 103 - 129).
Solomon und Kollegen (1987)
fanden heraus, dass verheiratete Soldaten höhere PTBS-Raten hatten als
unverheiratete. Die Raten waren umso niedriger, desto mehr sie von ihren
Familien unterstützt wurden.
Traumafolgen
in der Familie:
Batya Fried vermutet, dass vielen Konflikten in der Familie die Ursache
zugrunde liegt, dass die belastete Vorstellung von Männlichkeit der
Veteranen verletzt wird. Veteranen, die in der männlichen Rolle
des Soldaten zusammengebrochen sind, sowie Veteranen, die PTBS-Symptome
entwickeln, die ihre Fähigkeit einschränken, die Rolle des Familienoberhaupts
einzunehmen, tendieren dazu, sehr sensibel auf alle Themen zu reagieren,
die ihre Männlichkeit in Frage stellen könnten.
Das Ziel von gewalttätigen Aggressionen sind meist die eigenen Kinder.
Dies wird erleichtert durch das "Recht" des Vaters zur Disziplinierung
seiner Kinder (Solomon
et al., 1989, S. 103 - 129). Haley (1975)
glaubt, dass die Vaterschaft zu hohe Anforderungen an manche Veteranen
stellt. Die Überforderung besteht darin, den Konflikt zwischen dem Gefühl
der Befriedigung und dem Gefühl der Schuld zu lösen, die parallel im
Krieg entstanden sind. Das Gefühl der Befriedigung durch Gewalttaten
lernten die Soldaten dadurch, dass das Ausüben von Gewalt mit dem positiven
Erlebnis zu überleben verbunden war. Das Gefühl der Schuld entstand
daraus, dass sie durch die Umstände des Krieges quasi gezwungen wurden,
immer wieder Kriegsverbrechen zu begehen und Menschen zu töten.
Traumafolgen im sozialen
Umfeld:
Während Themen, welche die Geschlechtsrolle betreffen, vor allem die
Kämpfe in der Familie schüren, sind politische Themen oft der Aufhänger
für Auseinandersetzungen mit Freunden und Bekannten. Betroffene fühlen
sich wegen ihres Zusammenbruchs, der Unkontrollierbarkeit ihrer posttraumatischen
Symptome und ihren Schwierigkeiten, evtl. weiter in der Reserve zu dienen,
schuldig und schämen sich dafür. Dies lässt sie davor
zurückschrecken, sich wieder in die Gemeinschaft zu integrieren.
Viele PTBS-Betroffene vermeiden insbesondere den Kontakt mit früheren
Kameraden und Männern in ihrer Reserve-Einheit. Der Kontakt mit erfolgreichen
Kämpfern zeigt ihre eigene Schwäche auf, verstärkt ihr Gefühl, nicht
mehr wie alle anderen zu sein und vergrößert ihr Schamgefühl.
Traumafolgen für
die Arbeit:
Die am meisten störenden Symptome sind Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme,
Feindseligkeit und Schlafschwierigkeiten.
Für viele PTBS-Betroffene ermöglicht die Arbeit eine Art Flucht - sowohl
vor den emotionalen Forderungen ihrer Frauen und Kinder als auch noch
viel mehr vor ihren Erinnerungen. Eine positive Konsequenz von Arbeit
für manche GSR-Betroffenen ist die Wiederherstellung eines Teils ihres
Selbstwertes und Vitalitätssinns. Daher sind Überstunden genauso verbreitet
unter PTBS-Betroffenen wie Verspätungen und gewohnheitsmäßiges
Fernbleiben vom Arbeitsplatz.
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