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Traumata: Krieg

Bis vor kurzem dachte man in Europa, Krieg spiele in unserer modernen Gesellschaft keine Rolle mehr. Doch der Kosovo-Krieg hat uns anderes gelehrt. Durch Kriege und bewaffneten Terrorismus werden betroffene Menschen in großer Zahl traumatisiert. Auf dieser Seite finden Sie Informationen über Krieg allgemein. Auf einigen weiteren Seiten können Sie zusätzlich etwas über bestimmte Kriege den Zweiter Weltkrieg, den Vietnam-Krieg und die Israelische Kriege erfahren:

Was die Folgen der Kriege, insbesondere des Zweiten Weltkriegs, für die Zivilbevölkerung angeht, so sind uns bisher keine wissenschaftlichen Informationen bekannt. Es ist klar, dass die Folgen für die Zivilbevölkerung verheerend und traumatisierend gewesen sind, was wir durch Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen und in unserer eigenen Praxis erfahren haben.

Wir können nur alle Betroffenen dazu ermutigen, sich über traumatische Erfahrungen allgemein zu informieren (sich selber helfen), sich Unterstützung zu holen (Therapeutensuche) und vor allem die Hoffnung nicht aufzugeben, dass sich an den negativen Gefühlen und Erinnerungen etwas ändern lässt, sobald Sie Unterstützung gefunden haben. Dazu wünschen wir Ihnen die Kraft und den Mut.

Ihr TIZ-Team.

Inzwischen haben wir eine Internetsite gefunden, die sich mit diesem Thema beschäftigt. www.kriegskinder.de.

Auf dieser Seite finden Sie zu folgenden Fragen Informationen: 

Wie häufig ist die Posttraumatische Belastungsstörung bei Soldaten (Epidemiologie)?  
Welche Faktoren verhindern bzw. begünstigen Stressreaktionen (Ätiologie)?  
Welche Folgen entstehen durch Kriegstraumata für die betroffene Person? 
Wie kann man selbst anderen helfen? 
Was kann man als Therapeut tun (Therapie)? 
Wie kann man vorbeugend Stressreaktionen verhindern (Prävention)? 

Häufigkeit der Posttraumatischen Belastungsstörung (Glossar) bei Soldaten (Epidemiologie (Glossar))?

Die Häufigkeit einer PTBS (Glossar) ist umso höher, desto mehr und unmittelbarere Erfahrungen im Gefecht gemacht werden. Bei mittlerer Gefechtsintensität liegt die Prävalenzrate (Glossar) etwa bei 15 %. Je länger Soldaten in Kriegsgefangenschaft sein müssen, desto häufiger entwickeln sie eine PTBS (Crocq, Hein, Duval, & Macher, 1991). Eberly und Engdahl (Eberly & Engdahl, 1991) konnten zeigen, dass gefährlicher Gewichtsverlust in Gefangenschaft am besten vorhersagen kann, ob es zu einer chronischen psychologischen Erkrankung kommt. Sutker und Allain (1995) konnten bei 30 Gefangenen einer Flugzeugbesatzung zeigen, dass besseres Training, eine bessere Ausbildung und ein höherer Status in der Besatzung im Vergleich zu anderen vorbeugend wirkten. Insgesamt scheint die Häufigkeit von PTBS nach Kriegsgefangenschaft die nach Gefechtsexposition zu übertreffen.

 

Welche Faktoren verhindern bzw. begünstigen Stressreaktionen (Glossar) (Ätiologie (Glossar))?

Die Heimkehr-Erfahrung der Soldaten wirkt sich sowohl auf der Makro- (Gesellschafts-) wie auf der Mikro-Ebene (Familie) aus. Viele Untersuchungen (Solomon & Mikulincer, 1990; Solomon, Mikulincer, & Avitzur, 1988; Stretch, 1986) deuten auch darauf hin, dass soziale Unterstützung die Entstehung einer PTBS (Glossar) vorhersagt. Ebenso sorgt eine auf dem Gefechtsfeld erlittene Gefechts-Stress-Reaktion (GSR) (Glossar) für schlechte Aussichten in Bezug auf die PTBS.

 

Welche Folgen entstehen durch ein Kriegstrauma für die betroffene Person?

Soldaten, die in den Krieg ziehen, hinterlassen generell ein Vakuum - in der Familie, der Gemeinde und der Arbeit - das von Leuten ausgefüllt wird, die zuhause geblieben sind. Wenn sie zurückkehren, finden sie oftmals, dass ihre Frauen beide elterlichen Rollen eingenommen haben, dass ihre Kinder mehr Verantwortung übernommen haben und ihre Arbeits-Kollegen in ihr Territorium eingebrochen sind. Unabhängig von psychischen Schwierigkeiten müssen die Heimkehrer ihren Platz in Familie und Gesellschaft neu finden. Sie müssen Kontakte wiederherstellen und ihren Platz neu verhandeln. Dies stellt eine zusätzliche Belastung dar.

Folgen in der Familie können sein:

  • Sensibles Reagieren auf Themen, welche die Männlichkeit in Frage stellen
  • Gewalttätige Aggressionen gegen die eigenen Kinder
  • Gewalttätige Aggressionen gegen die eigene Frau
  • Davonlaufen
  • Scheidung

Folgen im sozialen Umfeld können sein:

  • Sensibles Reagieren auf politische Themen
  • Schuld und Scham als Hindernis, sich wiedereinzugliedern
  • Vermeidung des Kontaktes zu früheren Kameraden, insbesondere denen, die "erfolgreich" waren
  • Misstrauen als Ursache für sozialen Rückzug
  • Leicht erhöhtes antisoziales Verhalten und Kriminalität

Folgen bei der Arbeit können sein:

  • Verspätungen
  • Absentismus (Glossar)
  • Überstunden (als Folge von Vermeidungsverhalten)

Genauer eingegangen wird auf diese Themenbereiche bei den israelischen Kriegen. Die Wiederanpassung allein ist oft schon schwierig. Dazu können noch die Unermesslichkeit der Gefechtserfahrung, die schreckliche Begegnung mit plötzlichem, brutalem und vorzeitigem Tod und die unvermeidliche akute Realisierung der eigenen Sterblichkeit in Kombination dazu führen, dass frühere Gewissheiten unsicher werden, frühere Freuden trivialisiert werden, frühere Bestrebungen verblassen und Prioritäten sich ändern (Solomon, Mikulincer, & Benbenishty, 1989, S. 103 - 129).


Wie kann man selbst anderen helfen?

Es geht vor allem darum, den "Pakt des Schweigens", der über solch schrecklichen Erlebnissen liegt, aufzubrechen. Man kann versuchen, mit den Betroffenen über das Erlebte zu sprechen und dabei verständnisvoll, mitfühlend und aufmerksam zuzuhören.


Was kann man als Therapeut tun (Therapie)?

Für diese Art von Trauma bietet sich neben den allgemeinen Therapiemöglichkeiten für Traumabetroffene vor allem die Testimony Therapy an.

Wenn man mit einem Patienten, der z.B. Somatisierungen (Glossar) aufweist, nicht weiterkommt, dann ist es oft hilfreich, Fragen, die auf einen möglichen Einfluss des zweiten Weltkriegs hinweisen, zu stellen. Solche Fragen sind z.B.

  • Geburtsdatum (z.B. zur Abgrenzung von primärer und sekundärer Betroffenheit). Fällt das Geburtsdatum in die Nachkriegszeit, so ist es sinnvoll, sich genauer nach den Lebensumständen zu erkundigen, da die Lebensbedingungen in dieser Zeit teilweise verheerend waren.)
  • Geburtsort (Bei Städten ist es naheliegend, Bombenangriffe anzunehmen, da bei solchen Angriffen etwa 800 000 Menschen ums Leben gekommen sind. Bei Geburtsorten in den ehemaligen deutschen Ostgebieten besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Fluchttraumata erlitten wurden.)
  • Alter der Eltern (Es ist anzunehmen, dass die Traumatisierung von sogenannten Kindersoldaten stärker ist.)
  • Erlebnisse der Mütter (z.B. Vergewaltigung)
  • Art, Dauer und Ort von Gefangenschaften (z.B. waren die Bedingungen je nach Land sehr unterschiedlich.)
  • Kriegsverwundungen oder durch den Krieg bedingte Krankheiten der Eltern (Solche gesundheitlichen Beeinträchtigungen (z.B. Amputationen) können für Kinder bestürzende Konsequenzen haben (Heinl, 1994, S. 105 - 114)).

 


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