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Monika Bertsche , Cand. Dipl.-Psych.

Interview von Martina Ziegler

Frau Monika Bertsche (Jhg. 1958) studiert seit Oktober 2002 Psychologie an der Universität Konstanz. Von Oktober 2005 bis März 2006 arbeitet sie im Rahmen des 6-Monats-Praktikums, das für Psychologie-Student/innen ihrer Universität vorgeschrieben ist, im Trauma-Informations-Zentrum (TIZ).

Warum haben Sie sich für das Praktikum im TIZ entschieden?

Ich habe mich in meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit viel mit dem Beginn des Lebens beschäftigt, indem ich zum Beispiel Eltern beim Umgang mit ihren Babys und Kleinkindern begleitet habe. Thema war hier immer Geburt und Wachstum. Im Praktikum- so habe ich mir das gedacht- wollte ich mich einem gänzlich anderen Thema widmen und das sollten Ende und Tod sein. Bei der Suche nach einem Praktikumsplatz (z. B. in einem Hospiz) ist mir dann das Thema "Trauma" begegnet. Irgendwie hat mich dieser Bereich dann noch mehr angesprochen, vielleicht weil die Arbeit mit "Überlebenden" beides verbindet: die unmittelbare Berührung mit der Gefährdung und der Endlichkeit des menschlichen Lebens und die Hoffnung auf Gesundung und neues Wachsen und Weitergehen.
Im TIZ gefällt mir, dass ich hier zum einen sachliche Information über viele verschiedene Traumaarten und Traumafolgen finde, und zum anderen auch miterleben kann, wie man Menschen mit schlimmen Erfahrungen dabei helfen kann, wieder festen Boden unter den Füssen zu bekommen und das eigene Leben selbstbestimmt weiterzuführen.

Was haben Sie bisher gelernt?

Ich habe gelernt, dass es ganz wichtig ist, bei der Arbeit mit traumatisierten Menschen ganz klar zu unterscheiden: Was ist mein eigenes Leben und was ist das Schicksal des Menschen, der vor einem sitzt. Das stellt besondere Anforderungen an die Empathiefähigkeit. Als gute Therapeutin sollte ich mich ja so weit auf mein Gegenüber einlassen, dass ich verstehe, was seine Probleme sind und wie er sich dabei fühlt. Und gleichzeitig muss ich wissen, dass dem Menschen vor mir nicht geholfen ist, wenn ich mit ihm mit-leide.
Besonders bei schwer traumatisierten Menschen ist das nicht immer leicht.
Oft ist man auch als Therapeutin hilflos, etwa, wenn Menschen aus anderen Ländern trotz schwerster gesundheitlicher Probleme abgeschoben werden sollen und man nichts dagegen unternehmen kann. Oder es entwickelt sich so etwas wie Zorn gegenüber den Verhältnissen, die es mit sich bringen, dass es immer wieder zu schweren Gewalttaten und Verletzungen kommt.
Hier versuche ich einen Standpunkt zu finden, der sich in etwa so anfühlt: "Ich tue für die Menschen, was ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt tun kann und will. Das andere steht nicht in meiner Macht und ich werde versuchen, es so anzunehmen, wie es ist."

Was hat Sie bewogen, mit Mitte 40 noch Psychologie zu studieren?

Ich habe lange Zeit für meine Familie, d. h. meine drei inzwischen erwachsenen Kinder gesorgt. Daneben habe ich immer verschiedene andere Aufgaben gehabt, viele davon in der Erwachsenenbildung. Dabei habe ich gemerkt, dass ich immer neugieriger wurde auf das "Warum":
Warum funktioniert eine Gruppe und die andere nicht? Warum mögen sich bestimmte Menschen? Wie lernen sie und was hilft ihnen dabei? Wie denken, fühlen und handeln Menschen? Warum findet jemand eine bestimmte Situation problematisch und jemand anderes überhaupt nicht?
Nachdem ich verschiedene Ausbildungen gemacht hatte, die mich immer näher an die Psychotherapie herangeführt hatten, habe ich mich (spät, aber nicht zu spät) entschlossen, mich den Grundlagen zu widmen und ein "richtiges" Studium aufzunehmen.

Sie machen neben dem Studium auch eine therapeutische Ausbildung. Welche?

In den Eltern-Kind-Gruppen, die ich angeboten hatte, merkte ich, dass sich die Qualität der Beziehung der Eltern untereinander elementar auf die Entwicklung der Kinder auswirkt. Und ich habe gesehen, wie viel Sehnsucht nach gelingender Partnerschaft bei den Menschen vorhanden ist. Ich mache deshalb eine Ausbildung zur Paartherapeutin bei der Gesellschaft für integrative Paartherapie und Paarsynthese (GIPP). Zusammen mit meinem Mann biete ich auch Vorträge oder Seminare zum Thema Partnerschaft an.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

In nächster Zukunft möchte ich erst einmal mein Studium und die therapeutische Ausbildung abschließen. Dann werde ich (voraussichtlich) eine eigene Praxis aufmachen. Schwerpunkt dieser Praxis wird sicher die paartherapeutische Arbeit sein, aber ich kann mir vorstellen, dass auch das Thema Trauma und Traumafolgen immer wieder Gegenstand sein kann. Zum einen gibt es auch in Partnerschaften Gewalterfahrungen (leider!), zum anderen kann natürlich auch ein traumatisches Erlebnis des einen Partners zu einer Belastungsprobe für eine Beziehung werden.

Wenn Sie Kontakt mit Monika Bertsche aufnehmen möchten:
e-mail monika.bertsche@web.de oder über das Traumainformationszentrum (TIZ) Konstanz.

 

 

 


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