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Interview von Klaus Bühler

Stefanie Rösch absolvierte nach dem Abitur
ein Freiwilliges Soziales Jahr und studierte zwischen 1991 und 1998
Psychologie in Konstanz. Seit 1998 ist sie freiberuflich tätig.
Welche Schwerpunkte haben Sie in Ihrem Studium
gesetzt?
Durch mein Praktikum in den USA bin ich auf die Themen Notfallpsychologie,
Krisenintervention und Folgen traumatischer Erfahrungen gekommen. Ich
hatte dort die Gelegenheit, Einblick in die Arbeit mit Betroffenen von
Gewalt zu bekommen. Die Leute, die dort mit den Betroffenen arbeiten,
sind sehr engagiert. Die Geschichten, die sie von ihrer Arbeit erzählten,
machten mir deutlich, dass einige Einsätze nicht spurlos an ihnen
vorübergegangen waren. Die Arbeit mit Betroffenen macht eben
betroffen. Das ist der Grund, warum ich mich den Rest meines Studiums
mit den Folgen traumatischer Erfahrungen beschäftigte und es in
meiner Diplomarbeit um die berufsbedingte Traumatisierung von Feuerwehrleute
geht.
Warum interessieren Sie sich für das Thema
traumatische Erfahrungen?
Für mich ist es ein Bereich, in dem ich mit gesunden Menschen arbeite,
die durch ein schwieriges Lebensereignis vorübergehend überfordert
sind; vorübergehend, wenn sie rechtzeitig qualifizierte Unterstützung
bekommen. Ein anderer Grund ist, dass ich durch meine Arbeit in den
letzten Jahren den Eindruck hatte, dass der Bereich der Vorbeugung völlig
vernachlässigt wird. Hier gibt es viel Neues zu entwickeln und
umzusetzen. Endlich kann ich mein Wissen anwenden. Im übrigen sehe
ich auch die Unterstützung unmittelbar während oder nach einer
belastenden Lebenserfahrung als Vorbeugung an. Wir können lange
Leidenswege verhindern oder zumindest verkürzen, je nachdem wie
sehr die Erfahrung den Betroffenen aus seiner Lebensbahn geworfen hat.
Ein dritter, sehr persönlicher Grund ist die Erfahrung, dass alles
gut werden kann, wenn einem im richtigen Moment jemand zur Seite steht.
Wie sieht es mit praktischer Erfahrung aus?
In meinem Freiwilligen Sozialen Jahr habe ich mit Kindern gearbeitet,
die aus schwierigen familiären Situationen kamen. Seitdem habe
ich immer wieder Menschen in schwierigen Situationen beigestanden, unter
anderem Debriefings für das Technische Hilfswerk durchgeführt
und zusammen mit Kollegen Betroffene eines Lawinenunglücks betreut.
Ich bin jedes Mal wieder davon beeindruckt, mit wie viel Mut Betroffene
ihrer Zukunft begegnen. Neben dieser Arbeit bin ich vor allem als Trainerin
und Seminarleiterin unterwegs.
Wie gehen Sie mit den schlimmen Geschichten um,
die Sie sich anhören?
Ich lasse es mir in meiner Freizeit gut gehen. Das mag vielleicht merkwürdig
klingen, aber ich sehe das als meine Verpflichtung an. Nur wenn es mir
gut geht, kann ich optimale Arbeit "abliefern". Jeder Mensch,
jeder Klient hat das Recht, von mir die bestmögliche Leistung zu
bekommen. Also sorge ich dafür, dass das so ist und auch so bleibt.
Dieser Verpflichtung komme ich auf verschiedene Arten nach, z.B. male
ich, koche gern und lade Freunde ein.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Hin und wieder zum richtigen Zeitpunkt für irgend jemanden
am richtigen Ort zu sein.
Wenn Sie noch mehr über meine Tätigkeiten und Erfahrunen
wissen möchten, finden Sie hier einen ausführlichen
Lebenslauf.
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